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Zwei Wirte im Sueden von Rhodos

Von Rhodos Blog Team | 16.Oktober 2008

Rhodos ist nach Kreta die am häufigsten von ausländischen Touristen besuchte Insel Griechenlands. Doch der Massentourismus beschränkt sich auf die Badeorte im Dreieck zwischen Flughafen, Stadt Rhodos und Kiotari südlich von Lindos. Wer Ursprünglichkeit sucht, findet sie in stillen Bergdörfern wie Lachania und Mesanagros.

Die Küsten von Rhodos haben in den letzten 33 Jahren ihr Gesicht sehr stark verändert. In der Altstadt von Rhodos sind aus schäbigen Pensionen schmucke kleine Hotels geworden. Auch entlegene Dörfer und Straßen sind inzwischen über Asphaltstraßen zu erreichen. Die meisten Rhodier aber sind sich selbst treu geblieben, haben sich ein wenig angepasst, aber sich nicht bis zur Unkenntlichkeit verstümmeln lassen.

Papa Papageorgiou zum Beispiel, ein ehemaliger Schuster. Der Priester des Dorfes Lachania betreibt wie eh und je unter dem Namen seiner Frau Chrissi eine kleine Taverne mit dem bizarren Namen “Acropole chez Chrissi”. Im Priestergewand schält er Kartoffeln, schenkt seinen Gästen ein Glas Wein ein, lässt er sich fotografieren. Er vermietet Zimmer und Häuser im Dorf, betätigt sich als Grundstücksmakler und wirbt eifrig für die Autovermietung eines engen Verwandten in der Inselhauptstadt. Fast alles hier ist wie eh und je. Nur das Gemüse, das auf den Tisch kommt, stammt jetzt aus ökologischem Landbau. Dem widmet sich Priestersohn Athanassios mit Leidenschaft.

Ein Dorf weiter betreibt Michalis in Mesanagros sein kleines Kafenio “O Mike” wie vor 30 Jahren. Da treffen sich die letzten 30 Dorfbewohner etliche Male am Tag, der Dorfpriester gehört zu den Stammgästen, auch alte Frauen kommen wie selbstverständlich herein.

Kafenion O Mike Rhodos

Auf dem Tresen liegt ein dicker Bildband mit historischen Fotos aus der Geschichte des Ortes und der Familiengeschichte seiner früheren Bewohner. Sie sind fast alle nach Australien ausgewandert und haben dort das schöne Buch herausgegeben. Gleich daneben liegt das Gästebuch des Wirts. Dank einiger Zeilen in verschiedenen Reiseführern welche ich über Rhodos geschrieben habe kommen das ganze Sommerhalbjahr über täglich einige Dutzend Besucher nach Mesanagros. Georgios verwaltet nämlich den Schlüssel zu einer kleinen Marienkirche gleich gegenüber von seinem Lokal.

Kirche Mesanagros

Irgendwann im Mittelalter wurde sie unter Verwendung vieler Architekturteile einer frühchristlichen Basilika errichtet. Als Türsturz dient eine kleine spätantike Säule, im Hof liegen die Reste eines farbigen Mosaiks. Reste von Wandmalereien aus der Zeit um 1400 sind vor allem noch in der Apsis erhalten. Wer die Kirche besichtigt, trinkt bei Michalis zumindest eine Limonade oder einen Kaffee. So mancher genießt auch seine Omelettes und Salate. So macht Michalis dank Tourismus genug Umsatz, um das Kafenio auch für seine wenigen Mitbewohner im Dorf offen halten zu können. Eins allerdings hat sich geändert: Seit 2004 vermietet Michalis auch ein kleines, im traditionellen Inselstil eingerichtetes Apartment im Dorf. Wer da einzieht, ist von den All inclusive-Anlagen an der Küste so weit entfernt wie der Pluto von der Erde.

Autor: Klaus Bötig

Beitrag aus: Klaus Bötig's Kolumne |


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2 Kommentare to “Zwei Wirte im Sueden von Rhodos”

  1. Michael meint:
    19.Mai 2010 at 20:14

    Leider hat O Mike seit kurzem geschlossen.
    Michalis ist in Rente (waren am12.05.2010 dort)

  2. Michael meint:
    25.Oktober 2010 at 08:38

    Es ist wieder geöffnet.
    Ein neuer Mike ist da. Oktober2010

Kommentare