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Tilos - die kleine Nachbarinsel von Rhodos

Von Rhodos Blog Team | 17.Oktober 2008

Im Jahr 2008 sorgte der Bürgermeister von Tílos, einer kleinen Nachbarinsel von Rhodos, für Aufregung in ganz Griechenland, weil er es als erster in Hellas wagte, ein schwules Paar standesamtlich zu trauen. Für außergewöhnliche Aktion ist dieser Bürgermeister, im Hauptberuf Inselarzt, schön länger bekannt: Seit dem Juli 2004 ist die kleine Insel Tilos zwischen Rhodos und Kos  Griechenlands erstes bewohntes Eiland, auf dem die Jagd per Gemeindebeschluss das ganze Jahr über verboten ist. Über 10 Jahre lang ist jetzt auf Tilos kein einziger Schuss mehr gefallen. Früher landeten hier reiche Waidmänner aus Athen sogar mit dem Hubschrauber, um auf jeden Vogel zu schießen, der ihnen vor den Lauf kam. Dann aber bemerkten die Einheimischen, dass ihre treuen Stammgäste – zumeist naturverbundene Briten – während der Jagdsaison im Frühjahr und Herbst ausblieben. Zudem verkündeten viele Stammgäste, überhaupt nicht mehr auf die Insel kommen zu wollen, wenn nichts gegen die Jäger unternommen würde.

Daraufhin ergriff der Bürgermeister der Insel, ein dynamischer Arzt, zusammen mit den wenigen Hoteliers und Zimmervermietern die Initiative. Im Gemeinderat wurde ein Jagdverbot beschlossen, ankommende Jäger wurden durch lautstarke Proteste und die Verweigerung von Bett und Mahlzeiten vertrieben. Für die Tilioten hat sich ihr Einsatz bezahlt gemacht. Gerade in der Vor- und Nachsaison, also im März/April und September/Oktober kommen jetzt viele Hobby-Ornithologen auf das stille Eiland, um auf ausgedehnten Wanderungen und bei Bootsfahrten die Vogelwelt zu studieren. Rebhühner, einst bevorzugtes Jagdobjekt, kommen ihnen inzwischen sogar schon entgegen. Sie haben alle Scheu verloren und lassen sich auch gern auf den Dorfstraßen sehen.

Tilos Livadia

Auf denen ist normalerweise sehr wenig los, denn die ganze, immerhin 63 Quadratkilometer große Insel zählt nur 530 Bewohner. Die sind auch noch auf die vier Dörfer Livadia mit dem Hafen, Megalo Chorio, Agios Antonios und Eristos verteilt. Ein fünftes Dorf, Mikro Chorio, ist nur noch Heimstatt von Geistern und einer Musikbar, die ihre Pforten nur im Hochsommer und auch dann nur zwischen Mitternacht und fünf Uhr morgens geöffnet hält. Eine gute, 20 Kilometer lange Straße verbindet die Dörfer miteinander. Fünfmal am Tag pendelt der Inselbus zwischen ihnen hin und her. An manchen Tagen fährt er auch zur Hauptsehenswürdigkeit der Insel, dem Kloster Agios Panteleimonas hoch über der Nordküste. Es klebt am Rande einer Schlucht direkt am steilen Berghang und wird nur noch von einem Mönch bewohnt. Gesellschaft leistet ihm tagsüber der Wirt einer Taverne auf dem Klostervorplatz. Da kann man herrlich im Schatten uralter Platanen sitzen und genießen, wovon Tilos am meisten zu bieten hat – natürliche Ruhe und schöne Aussicht.

Aber auch für einen Badeurlaub ohne Remmidemmi ist Tilos bestens geeignet. Der Hafenort Livadia, wo auch die meisten Hotels und Pensionen stehen, liegt an einem kilometerlangen Kieselsteinstrand. Kleinere Strände und ebenfalls ein paar Unterkünfte haben auch Eristos und Agios Antonios zu bieten. Ein völlig unverbauter Strand ist der Plaka Beach am Wege zum Kloster, eine Reihe winziger Strandbuchten wie Gera und Lethra ist zudem nach ein- oder zweistündigen Wanderungen zu erreichen. Die können aber auch in die tiliotischen Berge führen, die bis zu 654 m hoch aus der Ägäis aufsteigen.

Stolz sind die Tilioten nicht nur die heutige Naturschönheit ihrer Insel, sondern auch auf einen bedeutenden naturhistorischen Fund. In einer Höhle wurden zahllose Knochen und Schädelreste von Zwergelefanten gefunden, die vor vielen tausend Jahren auf Tilos lebten. In einer kleinen Ausstellung im Dorf Megalo Chorio hat man sie soweit zusammengesetzt, dass sich das Aussehen der Urzeit-Tiere erahnen lässt.

Übrigens: Nach Tilos fahren ganzjährig Schiffe ab Rhodos-Stadt. Auskunft in den Reisebüros in der Néa Agorá oder bei der Griechischen Zentrale für Fremdenverkehr in der Stadt Rhodos.

Autor: Klaus Bötig

Beitrag aus: Klaus Bötig's Kolumne |


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