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Der Koloss von Rhodos gibt Rätsel auf

Von Rhodos Blog Team | 24.Juli 2011

Irgendwo in der Stadt Rhodos stand im 3. Jh. v.Chr. eins der sieben Weltwunder der Antike: eine 36 m hohe Bronzestatue des Sonnengottes Helios. Aber keine zeitgenössische Quelle berichtet anschaulich genug von ihrem Aussehen, um sie zeichnerisch zuverlässig rekonstruieren zu können. Und keine Quelle nennt den exakten Aufstellungsort. Dadurch sind Spekulationen Tür und Tor geöffnet. Die Rhodier nutzen das eifrig. Kaum ein Jahr vergeht, ohne dass Hobby-Archäologen in den Lokalzeitungen neue Diskussionen über den Standort entfachen. Lange galt es als sicher, dass der Koloss von Rhodos mit gespreizten Beinen und einer Fackel in der Hand die Hafeneinfahrt von Rhodos überspannte. Bereits im 16. Jh. hatte ein gewisser Maarten van Heemskerck ihn auf seinen weitverbreiteten “Weltwunderbildern” so dargestellt. Nur wenig anders zeigte ihn 1721 der österreichische Architekt Johann Bernhard Fischer von Erlach auf einem Kupferstich, der bis heute immer wieder auf Büchern, auf Souvenirpostkarten und den auf Rhodos verkauften Badehandtüchern reproduziert wird.

Halbwegs konkrete Angaben über den Koloss von Rhodos findet man in den bis ins 16. Jh. hinein immer wieder neu aufgestellten Weltwunderlisten kaum. In einer dem griechischen Ingenieur Philon von Byzanz zugeschriebenen Rede über die Sieben Weltwunder, die aus der Zeit um 200 v.Chr. stammen könnte, wird berichtet, dass für den Guss Bronze aus der ganzen Welt herangeschafft wurde. Demnach waren die Bronzeplatten an einem Eisengerüst befestigt dessen Inneres mit querverklammerten Steinquadern ausgefüllt war. Die Konstruktion stand auf einem weißen Marmorsockel. Als die Füße gegossen waren mussten sie allseitig mit Erdrampen umhüllt werden, um die Waden darauf aufbauen zu können. So arbeitete man sich mit Hilfe eines immer höher wachsenden Erdhügels bis zum Kopf hinauf. Als Urheber des Kolosses gilt Chares von Lindos, die Bauzeit soll 12 Jahre betragen haben.

Heute sind sich die Archäologen in einem Punkt einig: Breitbeinig wird der Koloss von Rhodos wegen der damit verbundenen Stabilitätsprobleme gewiss nicht dagestanden haben. Wahrscheinlich war er sogar durch eine dritte Stütze gesichert, vielleicht ein bis auf die Erde reichendes Gewand. Die Hafeneinfahrt kommt als Aufstellungsort nicht in Frage, da dort der Platz für die gewaltigen Erdaufschüttungen gefehlt hätten. So mag er entweder auf der Akropolis auf dem Monte Smith gestanden haben oder auf der Anhöhe über dem Hafen, die heute der Großmeisterpalast einnimmt.

Beitrag aus: Klaus Bötig's Kolumne |


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