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Kastellorizo - die wenig bekannte Nachbarinsel von Rhodos

Von Rhodos Blog Team | 19.Oktober 2008

Nach Kastellorizo kommt man von Rhodos aus per Schiff oder mit Propellermaschinen von Olympic Airlines. Da der Flug in niedriger Höhe und vor allem die atemberaubende Landung auf Kastellorizo ein unvergessliches Erlebnis darstellen, ist eine Kombination beider Verkehrsmittel ideal. Nach dem Start von Rhodos überfliegt die Maschine meist in 400-500 m Höhe den Badeort Faliraki. Eine Viertelstunde lang ist nur Meer unter den Tragflächen zu sehen, dann kommen links voraus die türkische Küste und die 27 Inselchen in Sicht, aus denen der Archipel von Kastellorizo besteht. Auch die Landebahn ist schon erkennbar. Sie füllt fast über die gesamte Inselbreite einen Taleinschnitt aus. Bei der Landung steigen neben der Tragfläche rechts die Felswände auf, dann wird stark abgebremst, da die Piste nur 999 m lang ist.

Kastellorizo

Obwohl auf Kastellorizo nur 430 Wahlberechtigte leben, von denen maximal 200 ständig auf dem Inselwinzling zu Hause sind, gleicht der Inselort einem richtigen Städtchen. Die Häuser sind zumeist zwei- oder sogar dreigeschossig, tragen rote Ziegeldächer und haben bunte, überwiegend geschlossene Fensterläden. So sieht der Ort von weitem so aus, als lebten hier Tausende von Menschen. Aber die meisten Häuser stehen leer. Manche sind bloß noch Ruinen, andere werden nur im Sommer genutzt, wenn die in Amerika, Australien, Rhodos oder Athen lebenden Kastellorizaner für ein paar Wochen in ihre alte Heimat zurückkehren.

Kastellorizo zählte zu Beginn des Ersten Weltkriegs, als es wie Rhodos noch Teil des Osmanischen Reichs war, über 14000 Bewohner in etwa 4000 Häusern. Wie die vielen verfallenden Terrassen zeigen, wurde auf der Insel intensiv Landwirtschaft betrieben. Viele Insulaner besaßen zudem Ländereien auf dem nur 7 km entfernten kleinasiatischen Festland. Kastellorizo verfügte über eine Flotte von über 300 Handelsschiffen, und war Zwischenstation für Frachtsegler auf ihrem Weg aus der Ägäis nach Zypern, Vorderasien und Ägypten. Der wirtschaftliche Niedergang setzte auf Kastellorizo wie auf so vielen griechischen Inseln mit dem Sieg der Dampfschifffahrt ein. Die Insulaner verpassten den Anschluss. Das erste Dampfschiff, das sie anschafften, sank schon bald – danach besaß niemand mehr den Mut oder Kapital genug, den Versuch noch einmal zu wagen. Als die Italiener Kastellorizo 1920 in Besitz nahmen verloren die Insulaner auch ihre Besitzungen auf dem türkischen Festland. Nach dem gescheiterten Kleinasien-Feldzug 1922/23 waren alle Hoffnungen dahin, sie wieder zu erlangen. Die erste große Auswanderungswelle setzte ein.

1926 zerstörte ein Erdbeben viele Häuser, weitere Kastellorizaner wanderten nach Ägypten aus. Am Anfang des Zweiten Weltkriegs lebten nur noch 1500 Menschen auf der Insel. Nachdem die Briten 1943 Kastellorizo besetzt hatten evakuierten sie die Bevölkerung aus Angst vor deutschen Bombenangriffen in ihre Kolonie Zypern, sowie nach Palästina und Ägypten. Am 29. Oktober 1943 flogen die Deutschen tatsächlich einen Luftangriff auf die Insel. Und setzten dabei einige wenige Häuser in Brand. Da die Briten es -vielleicht absichtlich - versäumten den Brand rechtzeitig zu löschen, zerstörte er schließlich weite Teile der Stadt. Als die nach Ägypten Evakuierten davon hörten, nahmen die meisten das Angebot der Briten an und ließen sich kostenlos nach Australien bringen. Nur etwa 500 Insulaner schifften sich nach Kriegsende zur Rückkehr ein.

Heute wird Kastellorizo vom übrigen Griechenland als Außenposten der Nation und des orthodoxen Christentums eine Sonderrolle zugebilligt. Kastellorizo hat den Status eines dímos, also einer Stadtgemeinde, obwohl der in Griechenland eigentlich nur Orten und Inseln mit über 5000 Einwohnern zusteht. Die Bevölkerung genießt Steuervergünstigungen, der Zoll drückt bei billigen Einkäufen in der so nahen Türkei beide Augen zu. Mitte der 1990er Jahre erhielt die Insel wieder ein gymnásio und ein lýkio (Mittel- und Oberschule), obwohl es insgesamt auf der Insel nur etwa 35 Schüler gibt. Man wollte dadurch verhindern, dass jüngere Ehepaare die Insel verlassen. Auch EU-Gelder werden nach Kastellorizo gepumpt – für solch sinnarme Maßnahmen wie die nächtliche Beleuchtung einer vom Ort aus gar nicht sichtbaren mittelalterlichen Burg, und die Asphaltierung einer Straße dorthin die niemand braucht. Außer von EU- und Steuergeldern und den Überweisungen der in Australien lebenden Verwandten leben die Insulaner heute überwiegend vom Tourismus. Im Sommer legen täglich Yachten an, und bei jungen Griechen ist Kastellorizo als „exotisches“ Reiseziel beliebt.

Viel mehr als Faulenzen kann man hier nicht. An einem Tag ist die Insel umwandert, einzige Sehenswürdigkeiten außerhalb des Ortes sind die kleine mittelalterliche Burg, ein antikes lykisches Felsengrab und ein verlassenes Kloster. Die wenigen schmalen, kiesigen Strände sind kaum der Rede Wert. Grandios aber sind das Landschaftspanorama mit den unbewohnten Inselchen vor dem Taurus-Gebirge und vor allem das geruhsame Leben im Städtchen. Da verbringt man die Tage in den Kafenía und Ouzerien am Hafenbecken, sitzt neben dem Oktopus-Grill direkt vor Fischerbooten am Hafen, und hat viel Zeit zum Lesen, Tavli spielen und Palavern. Was will man mehr?

Autor: Klaus Bötig

Beitrag aus: Klaus Bötig's Kolumne |


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2 Kommentare to “Kastellorizo - die wenig bekannte Nachbarinsel von Rhodos”

  1. Griechische Inseln Blog » Die Inseln der Südlichen Sporaden und der Dodekanes meint:
    19.Oktober 2008 at 20:59

    […] Patmos, Symi, Tilos und Chalki. Neben diesen 12 Hauptinseln umfasst dieses Gebiet noch Inseln wie Kastellorizo, Lipsi, Agathonisi, sowie weitere kleine […]

  2. Kastellorizo Fan meint:
    1.Dezember 2008 at 01:16

    Kastellorizo ist auch wegen der Blauen Grotte von Perasta mit ihren sehenswerten Stalaktiten ein beliebtes Reiseziel.

Kommentare